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философствование прямохождением 2

Philosophie Magazin 2018 Sonderausgabe. Wandern. Die Wege der Gedanken

нашел этот журнал в формате pdf: https://www.twirpx.com/file/3338526/

чертовски интересный выпуск! о философии движения и прямохождения))) Еще пара цитат оттуда:

>> Der Denker ist immer auch einer, der geht.

>> die Rückkehr zum Rhythmus der Schritte und des Atems

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>> Jeder Ort der Zurückgezogenheit braucht einen Wandelgang. Meine Gedanken schlafen ein, wenn ich sitze; mein Geist rührt sich nicht, wenn meine Beine ihn nicht bewegen – wie es allen ergeht, die ohne Buch studieren.

-Michel de Montaigne, „Über dreierlei Umgang“, in: „Essais“, S. 413

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>> So wenig als möglich sitzen; keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung, — in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern. Alle Vorurtheile kommen aus den Eingeweiden. — Das Sitzfleisch — ich sagte es schon einmal — die eigentliche Sünde wider den heiligen Geist.“

-Friedrich Nietzsche, „Warum ich so klug bin“, § 1, in: „Ecce homo“, S. 281

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>> Und die Menschen gehen und be wundern die Höhen der Gebirge, die gewaltigen Wogen des Meeres, den
breiten Fluß der Ströme, den Umfang des Ozeans und den Umlauf der Gestirne, auf sich selbst aber achten sie nicht.

-Aurelius Augustinus, „Des heiligen Kirchenvaters Aurelius Augustinus Bekenntnisse“, S. 226

***

>> Der Mensch geht nicht nur, er geht auch aufrecht, auf zwei Beinen, nicht wie die überwiegende Anzahl der anderen Tiere auf vier. Der Philosoph Kurt Bayertz hat diesem „aufrechten Gang“ ein ganzes Buch gewidmet. Im Gespräch erklärt er, welche Bedeutung das aufrechte Gehen in der Philosophiegeschichte hat.

>>...dass der aufrechte Gang niemals nur als ein bloß zufälliges Faktum angesehen, sondern immer mit dem Wesen des Menschen in Verbindung gebracht wurde.

>> Sie finden sowohl bei Platon als auch bei Aristoteles die Vorstellung, dass der Mensch genau darum aufrecht ist, weil er zum Denken bestimmt ist.

Für die antiken Autoren waren die Sterne und Planeten göttliche Wesen, die sich ebenfalls durch Denken auszeichnen. Deswegen ist der Mensch mit den Himmelskörpern verwandt und darum muss er aufgerichtet sein, weil das Wichtigste und Edelste seiner Organe eben der Kopf ist, und der muss zu den Himmelskörpern hin ausgerichtet sein.

Das entspricht seiner kosmologischen Stellung: Der Mensch ist ein Mikrokosmos, er hat genau wie der große Kosmos eine senkrechte Struktur. Nach Aristoteles ist der Kosmos ja so aufgebaut, dass im Mittelpunkt die Erde als ein materielles Ding, als ein großer Erdklumpen steht und darüber schichten sich die himmlischen Sphären, die nicht materiell sind und sich ganz grundsätzlich von der Erde unterscheiden. Unten ist dieser Auffassung nach das weniger Gute und oben das Gute. Und beim Menschen ist das genauso: Mit den Füßen steht er auf dem Boden und mit dem Kopf ist er zum Himmel aufgerichtet.

Diese Übereinstimmung ist nicht nur ein Faktum, sondern auch eine Aufgabe. Darin liegt ein normatives Element: Der Mensch soll sich eben auch an seinem Verstand, an seinem edelsten Vermögen, orientieren.

In der stoischen Philosophie kommt die Vorstellung hinzu, dass der Mensch geschaffen ist, um das Weltall zu betrachten, und dazu muss er aufgerichtet sein. Auch in der christlichen Theologie des Mittelalters wird behauptet, dass der Mensch aufrecht geschaffen wurde, damit er zu Gott aufschauen kann...

***

>> Der Mensch ist nicht an die Erde festgeklebt, wie das Tier, sondern er bewegt sich frei auf der Erde, und diese Freiheit bezahlen wir mit dem Risiko des Sturzes.

>> In der Neuzeit aber zerbröselt dieser Gedanke, der Mensch hat keinen vorbestimmten Platz mehr in der Welt und damit wird seine Lage unsicher. Er ist nirgends mehr kosmisch zu Hause. Er ist ein Nomade, ein Fremder in der Welt. Diese grundstürzende Verunsicherung ist die zentrale metaphysische Hintergrundannahme, die dieser anderen Auffassung vom Gehen zugrunde liegt.

>> Hinzu kommt dann natürlich auch die naturwissenschaftliche Forschung, die zeigt, wie anspruchsvoll rein motorisch das Gehen auf zwei Beinen ist. Wir brauchen Dutzende von Muskeln, um überhaupt aufrecht stehen zu können, ganz zu schweigen vom Gehen. Bezeichnenderweise finden sich in der Literatur erst jetzt Hinweise darauf, dass wir – im Unterschied zu den meisten Tieren – das Gehen im Kleinkindalter ziemlich mühsam erlernen müssen. Vor diesem Hintergrund kann dann von vielen Autoren, darunter auch Schopenhauer, gesagt werden, das Gehen sei nichts als ein unterbrochenes, aufgehaltenes Fallen. Dieser Satz ist charakteristisch für das Lebensgefühl der Unsicherheit. Wir können das Fallen zwar meistens durch unsere Aktivität gerade noch verhindern, aber strukturell sind wir in einer gefährdeten Position und nicht in einer gesicherten.

>> Aber das Interessante ist doch: Auch Aristoteles oder Thomas von Aquin wussten, dass Menschen hinfallen können, auch sie selbst sind sicher mal gestolpert. Aber sie haben nicht gedacht, dass diese Tatsache einen Platz in ihrer Theorie verdient, während das in der Neuzeit zum Zentrum der Betrachtung wird.

и т.д.
Tags: gehen, философствование прямохождением, цитаты
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