February 24th, 2021

grün

философствование прямохождением 1

Above all, do not lose your desire to walk. Everyday, I walk myself into a state of well-being & walk away from every illness. I have walked myself into my best thoughts, and I know of no thought so burdensome that one cannot walk away from it.
- Søren Kierkegaard

Verlieren Sie vor allem nicht Ihren Wunsch zu gehen. Jeden Tag versetze ich mich in einen Zustand des Wohlbefindens und entferne mich von jeder Krankheit. Ich bin in meine besten Gedanken geraten, und ich kenne keinen Gedanken, der so belastend ist, dass man nicht davon weggehen kann. Aber wenn man still sitzt und je mehr man still sitzt, desto näher kommt man dem Übelkeitsgefühl. Wenn man also einfach weitergeht, ist alles in Ordnung.
- Søren Kierkegaard

Idealerweise ist Gehen ein Zustand der Übereinstimmung von Geist, Körper und Welt, als ob sie drei Figuren wären, die schließlich ins Gespräch miteinander kommen, drei Töne, die plötzlich in einem Akkord erklingen. Gehen erlaubt uns, in unseren Körpern und in der Welt zu sein, ohne dass wir uns gänzlich in unseren Gedanken verlieren.
- Rebecca Solnit, Wanderlust. Eine Geschichte des Gehens


>>Wer geht, sieht mehr, lebt länger - und denkt besser.

>>Gehen ist dem Denken zuträglich, weil Gehirne erst im Zusammenhang mit der Bewegung entstanden sind.

>>ICH GEHE, ALSO DENKE ICH - Gespräch mit MICHEL SERRES
Der französischen Denker ist einer der passioniertesten Wanderer. Gehen fällt für ihn mit Rhythmus, Gesang, Musik zusammen, aber auch mit Denken und Schreiben. "Die Inspiration geht vom Atem des Gehens aus."

>>"Es geht beim Wandern nicht darum, sein wahres Selbst' zu finden, eine wie auch immer geartete Identität wiederzuerlangen. Es geht vielmehr darum, diese hinter sich zu lassen."

>>"Wandern ist kein Vergnügen, es ist Gottesdienst." (Hans Jürgen von der Wense)

https://www.freitag.de/produkt-der-woche/buch/wandern/wandern_inhalt
grün

философствование прямохождением 2

Philosophie Magazin 2018 Sonderausgabe. Wandern. Die Wege der Gedanken

нашел этот журнал в формате pdf: https://www.twirpx.com/file/3338526/

чертовски интересный выпуск! о философии движения и прямохождения))) Еще пара цитат оттуда:

>> Der Denker ist immer auch einer, der geht.

>> die Rückkehr zum Rhythmus der Schritte und des Atems

***

>> Jeder Ort der Zurückgezogenheit braucht einen Wandelgang. Meine Gedanken schlafen ein, wenn ich sitze; mein Geist rührt sich nicht, wenn meine Beine ihn nicht bewegen – wie es allen ergeht, die ohne Buch studieren.

-Michel de Montaigne, „Über dreierlei Umgang“, in: „Essais“, S. 413

***

>> So wenig als möglich sitzen; keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung, — in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern. Alle Vorurtheile kommen aus den Eingeweiden. — Das Sitzfleisch — ich sagte es schon einmal — die eigentliche Sünde wider den heiligen Geist.“

-Friedrich Nietzsche, „Warum ich so klug bin“, § 1, in: „Ecce homo“, S. 281

***

>> Und die Menschen gehen und be wundern die Höhen der Gebirge, die gewaltigen Wogen des Meeres, den
breiten Fluß der Ströme, den Umfang des Ozeans und den Umlauf der Gestirne, auf sich selbst aber achten sie nicht.

-Aurelius Augustinus, „Des heiligen Kirchenvaters Aurelius Augustinus Bekenntnisse“, S. 226

***

>> Der Mensch geht nicht nur, er geht auch aufrecht, auf zwei Beinen, nicht wie die überwiegende Anzahl der anderen Tiere auf vier. Der Philosoph Kurt Bayertz hat diesem „aufrechten Gang“ ein ganzes Buch gewidmet. Im Gespräch erklärt er, welche Bedeutung das aufrechte Gehen in der Philosophiegeschichte hat.

>>...dass der aufrechte Gang niemals nur als ein bloß zufälliges Faktum angesehen, sondern immer mit dem Wesen des Menschen in Verbindung gebracht wurde.

>> Sie finden sowohl bei Platon als auch bei Aristoteles die Vorstellung, dass der Mensch genau darum aufrecht ist, weil er zum Denken bestimmt ist.

Für die antiken Autoren waren die Sterne und Planeten göttliche Wesen, die sich ebenfalls durch Denken auszeichnen. Deswegen ist der Mensch mit den Himmelskörpern verwandt und darum muss er aufgerichtet sein, weil das Wichtigste und Edelste seiner Organe eben der Kopf ist, und der muss zu den Himmelskörpern hin ausgerichtet sein.

Das entspricht seiner kosmologischen Stellung: Der Mensch ist ein Mikrokosmos, er hat genau wie der große Kosmos eine senkrechte Struktur. Nach Aristoteles ist der Kosmos ja so aufgebaut, dass im Mittelpunkt die Erde als ein materielles Ding, als ein großer Erdklumpen steht und darüber schichten sich die himmlischen Sphären, die nicht materiell sind und sich ganz grundsätzlich von der Erde unterscheiden. Unten ist dieser Auffassung nach das weniger Gute und oben das Gute. Und beim Menschen ist das genauso: Mit den Füßen steht er auf dem Boden und mit dem Kopf ist er zum Himmel aufgerichtet.

Diese Übereinstimmung ist nicht nur ein Faktum, sondern auch eine Aufgabe. Darin liegt ein normatives Element: Der Mensch soll sich eben auch an seinem Verstand, an seinem edelsten Vermögen, orientieren.

In der stoischen Philosophie kommt die Vorstellung hinzu, dass der Mensch geschaffen ist, um das Weltall zu betrachten, und dazu muss er aufgerichtet sein. Auch in der christlichen Theologie des Mittelalters wird behauptet, dass der Mensch aufrecht geschaffen wurde, damit er zu Gott aufschauen kann...

***

>> Der Mensch ist nicht an die Erde festgeklebt, wie das Tier, sondern er bewegt sich frei auf der Erde, und diese Freiheit bezahlen wir mit dem Risiko des Sturzes.

>> In der Neuzeit aber zerbröselt dieser Gedanke, der Mensch hat keinen vorbestimmten Platz mehr in der Welt und damit wird seine Lage unsicher. Er ist nirgends mehr kosmisch zu Hause. Er ist ein Nomade, ein Fremder in der Welt. Diese grundstürzende Verunsicherung ist die zentrale metaphysische Hintergrundannahme, die dieser anderen Auffassung vom Gehen zugrunde liegt.

>> Hinzu kommt dann natürlich auch die naturwissenschaftliche Forschung, die zeigt, wie anspruchsvoll rein motorisch das Gehen auf zwei Beinen ist. Wir brauchen Dutzende von Muskeln, um überhaupt aufrecht stehen zu können, ganz zu schweigen vom Gehen. Bezeichnenderweise finden sich in der Literatur erst jetzt Hinweise darauf, dass wir – im Unterschied zu den meisten Tieren – das Gehen im Kleinkindalter ziemlich mühsam erlernen müssen. Vor diesem Hintergrund kann dann von vielen Autoren, darunter auch Schopenhauer, gesagt werden, das Gehen sei nichts als ein unterbrochenes, aufgehaltenes Fallen. Dieser Satz ist charakteristisch für das Lebensgefühl der Unsicherheit. Wir können das Fallen zwar meistens durch unsere Aktivität gerade noch verhindern, aber strukturell sind wir in einer gefährdeten Position und nicht in einer gesicherten.

>> Aber das Interessante ist doch: Auch Aristoteles oder Thomas von Aquin wussten, dass Menschen hinfallen können, auch sie selbst sind sicher mal gestolpert. Aber sie haben nicht gedacht, dass diese Tatsache einen Platz in ihrer Theorie verdient, während das in der Neuzeit zum Zentrum der Betrachtung wird.

и т.д.
grün

карта морозов

Переименовал последние два поста с цитатами на "философствование прямохождением 1", и "философствование прямохождением 2")))
меня так вдохновили эти цитаты, что тут же пошел гулять (Вёрсты улиц взмахами шагов мять!), хотя на улице мороз под 30 и метель, буран, порывы шквального ветра... б**ть)

увидел тут у a-nikonov-а карту морозов: Где Россия - там мороз. Где мороз - там Россия...


источник: https://a-nikonov.livejournal.com/3860109.html

Ну а что, хорошо же! Мороз это Бодряк!))) Северного Казахстана это тоже касается. Несмотря на то, что Астана лежит на той же параллели, что и Киев, Кёльн, Лондон....
grün

(no subject)



ого! оказывается так тоже можно! вперед - назад - опять по кругу...
что-то мне это напомнило... а, как диджеи пластинку вперед-назад под иглой двигают! скретчевание!)))
grün

(no subject)

ExisTänze der Existenz

и DaЗайцы Dasein'a

меня всегда удивляло, что немецкое die (артикль ж.р.) в дативе и генетиве превращается в der (артикль м.р.).

но если посмотреть на русский, разве не то же самое происходит, только наоборот.

стол - нулевое окончание, маркер м.рода
поверхность столА - окончание А, маркер ж.рода.

стол (т.е. он) стал стола (т.е. она)

в немецком в генетиве происходит то же самое, только наоборот: ж. в м.
немецкий вообще во многих отношениях шиворот-навыворотный по отношению к русскому язык. в нем всё задом наперед! как речь Йоды)))